Sollte sich der Klimaschutz mit dem Datenschutz befassen?

Januar 25, 2020 0 Von Tschelina

Sehr geehrte Frau Braun,

Ich habe mir Ihren Beitrag zum Thema „Datenschutz ist Klimaschutz“ angesehen und würde in diesem Kommentar gerne Stellung beziehen. Ich orientiere mich dabei allerdings eher an einer Leitfrage, welche lautet: Sollte Datenschutz ein wichtiges Thema für die Klimaschutzbewegung darstellen?

Ein Argument dafür, dass sich Klimaaktivisten auch für den Datenschutz einsetzen sollten, ist, dass das verschicken von Daten Co2 ausstößt. Wenn Klimaschutzvereine also Daten von Aktivisten anhäufen, um beispielsweise herauszufinden ob, und wie viele Aktivisten an einer Veranstaltung teilnehmen, wird dadurch eine deutliche Menge an Co2 verursacht.

Um daran anzuknüpfen ist ein weiterer sehr wichtiger Punkt, dass das Anhäufen der Daten von Klimaaktivisten ein gewisses Risiko birgt. Immerhin sind viele Aktivisten durch illegale Aktionen für den Klimawandel wie beispielsweise Ende Gelände schon polizeilich aufgefallen und wollen eher wenige, dass ihre vertraulichen Daten in falsche Hände geraten.

Um daran anzuknüpfen, spielt es natürlich auch eine Rolle, Mitglieder für Aktionen zu gewinnen, denn nur wenn viele Leute bei Klimaschutzprojekten mitmachen, bekommen diese genug Aufmerksamkeit um Medien präsent zu werden und etwas zu bewirken. Jemand, der nicht weiß, ob seine Daten, welche er beispielsweise bei der Anmeldung zu einem Projekt preisgibt, sicher nicht an Leute geraten die sie gegen einen selbst verwenden könnten, der schließt sich eher nicht an Projekte an.

Aber ist der Aufwand das wert? Um Daten zu schützen muss man nach Treu und Glauben und in einer für die betroffene Person nachvollziehbaren Weise verarbeitet werden. kann man das für jede einzelne Person machen, um deren Daten zu schützen? Bei Beispielsweise Aktionen wie Ende Gelände oder Hambi bleibt! melden sich tausende Personen zum streiken an. (https://www.ende-gelaende.org/mitmachen/ortsgruppen/) Das ist ein imenser Aufwand.

Außerdem haben Klimaschutzvereine viele wichtigere Dinge zu tun, als sich um den Datenschutz zu kümmern. Beispielsweise sind viele Vereine derzeit damit beschäftigt gegen das Klimapaket der Bundesregierung anzugehen, Aufklärungscamps zu organisieren oder sich für die Abholzung der Wälder einzusetzen. Was wiegt dagegen der Datenschutz, wenn wir uns um so viel schwerwiegendere Dinge kümmern müssen?

Als letzten Punkt würde ich gerne anmerken, dass wer sich bei Aktionen wie Ende Gelände, Hambi bleibt! oder anderen Camps und Streiks anmeldet, muss sowieso immer damit rechnen das der Streik oder das Camp polizeilich aufgelöst wird und es einen Eintrag in die Akte gibt. Warum also dann auf virtuelle Sicherheit achten, wenn die Gefahr in der Realität noch viel wahrscheinlicher ist. Wer sich auf Streiks und Camps einlässt, muss damit rechnen. Und trotz noch nicht vorhandenem Datenschutz wie Beispielsweise bei der Anmeldung von Extinction Rebellion gibt es genügend Teilnehmer. (https://www.ende-gelaende.org/mitmachen/ortsgruppen/)

Um nun zu einem Abschluss zu kommen würde ich gerne noch einmal meine ganz persönliche Meinung mit einfließen lassen, welche lautet, dass es aus meiner Sicht sehr viele komplexe Themen gibt mit denen sich Klimaschutzvereine und Klimaaktivisten auseinandersetzen müssen. Datenschutz ist meiner Meinung nach ein sehr kleines und nicht so gewichtiges Gebiet wie andere.